Rehfelde - Zinndorf - Werder

Bürgermeisterwort Mai 2010

Veröffentlicht am: 09:16:59 15.05.2010

Liebe Bürgerinnen und Bürger!

65. Jahrestag der Befreiung – Sonderausstellung zur Landwirtschaft in der  Zeit nach 1945 und ein Besuch der Seniorengruppe Zinndorf in der Heimatstube sowie meine Fahrt zur EU in Strasbourg ließen mich sehr  nachdenklich werden. Die uns bekannte Geschichte reicht von den Zisterziensern im 13. Jahrhundert bis zum Europa 2010. Bereits anlässlich der Feierlichkeiten anno 2009 in Werder betonte ich, dass wir  keine Geschichtsklitterung (Verfälschung), aber auch Verdrängung oder Verklärungen zulassen sollten. Deshalb seien 65. Jahre Befreiung  Anlass, sich an 65 Jahre Frieden in Europa zu erinnern, ohne dabei die Kriege in der Welt, in die teilweise auch Deutschland verquickt ist, zu vergessen. Die Opfer des Krieges und des Faschismus mahnen uns, auch dem Vergessen entgegen zu wirken. Deshalb betrachte ich positiv, wenn erstmals am „Tag des Sieges“ an der Moskauer Parade Einheiten der NATO aus Frankreich, Großbritannien und Polen teilnahmen und die deutsche Kanzlerin symbolisch rote Rosen am Grab des Unbekannten Soldaten niederlegte. Es ist gut, wenn sich die Feinde von einst versöhnen. Wertungen sind stets subjektiv, nach eigenem Erleben und Standpunkt. Deshalb sollten nur Fakten und Tatsachen zählen und diese in den Zusammenhang mit der historischen Zeit und Lage gestellt werden. persönlich wehre ich mich gegen Gleichsetzungen und Verzerrungen sowie die übliche Schwarzweißmalerei. Wenn Rehfelde und  Zwierzyn  zum Oktoberfest in Zinndorf den 5. Jahrestag des Partnerschaftvertrages feiern, begehen wir auch gemeinsam den 20. Jahrestag des neuen Polens und des geeinten Deutschlands. Bei aller Diskussion über Fehler und Mängel der jüngsten Diktatur oder auch Entwicklungen nach der Wende sollten und dürfen wir nicht die Millionen Toten und Untaten der anderen Diktaturen  vergessen. Bei  Erinnerung an Mangel im  Warenangebot  und Freizügigkeiten, auch Fehlern bei Bodenreform, Kollektivierung, Machtausübung  der SED, Blockparteien und Stasi, darf man auch nicht die Verluste an sozialer Sicherheit durch fehlende Arbeitsplätze sowie richtig bezahlte Arbeit und Probleme im Bildungs – und Gesundheitssystem durch falsche Strukturen und Mangel an Lehrern und Ärzten in der Neuzeit übersehen. Der im täglichen Leben zunehmenden Unzufriedenheit der Menschen, den fehlenden   kommunalen Finanzen sowie sich zuspitzender Ablehnung großer politischer Erscheinungen  können wir nur unseren Verstand und Optimismus entgegensetzen. Wir benötigen eine starke demokratische Gesellschaft gegen jegliche Art von Rassismus, Nationalismus, Extremismus, Gewalt und für Freiheit sowie Toleranz im Leben. Geschichte und Gegenwart wurden und werden von Menschen gestaltet – gestalten wir diese gemeinsam auch menschlich.

Ihnen allen einen schönen Monat Juni wünscht

Ihr Reiner Donath




Letzte Aktualisierung
09:16:59 15.05.2010